Kaltkeimer richtig aussäen und pflegen

Was sind Kaltkeimer? Wir verraten es dir und geben in unserem Ratgeber Tipps und Tricks rund um Aussaat und Pflege.

Kaltkeimer: Saatgut mit besonderen Bedürfnissen


Keimen und Kälte? Das hört sich zunächst wie ein Widerspruch an. In der Natur haben Pflanzen viele Strategien entwickelt, um den richtigen Zeitpunkt zur Keimung zu erwischen. Manche Samen keimen erst nach einer Dürreperiode, andere nach einem Feuer oder gar nachdem sie den Darm eines Tieres passiert haben. Verantwortlich dafür sind Hormone, die bis zu einem bestimmten Ereignis für die Keimhemmung sorgen.
Tatsächlich beginnen Kaltkeimer nicht in der winterlichen Eiseskälte mit ihrem Wachstum, sondern warten diese Kälteperiode nur ab. Das ist ein wichtiger Überlebensmechanismus, denn würde das Saatgut bereits im Herbst keimen, würde die junge Pflanze beim ersten Frost schnell wieder erfrieren.


Was ist bei der Aussaat zu beachten?

Zu den Kaltkeimern gehören viele Stauden sowie Pflanzen aus dem alpinen Bereich, zum Beispiel:
- Christrose
- Pfingstrose
- Enzian
- Veilchen
- Akelei
- Iris
- Frauenmantel

Diese Pflanzen solltest du schon im Spätherbst aussäen, damit sie auch den ganzen Winter durchleben. Bei der Aussaat beginnen die Samen bereits zu quellen. Für diesen Vorgang benötigen sie noch höhere Temperaturen, weswegen du nicht länger als bis November warten solltest. Am besten benutzt du eine Aussaatschale, die du an einer geschützten Stelle platzierst. Eine Schneedecke begünstigt später das Wachstum. Obwohl Kaltkeimer früher auch Frostkeimer genannt wurden, sind Temperaturen unter dem Gefrierpunkt für das Auskeimen gar nicht notwendig, +4° C reichen in der Regel bereits aus. 


Geschafft! Die Pflanzen keimen

Wahrscheinlich hast du den ganzen Winter auf diesen Moment gewartet. Aber gerade jetzt darfst du nicht ungeduldig sein. Die jungen Pflanzen sollten bereits ein Paar vollständig ausgebildete Laubblätter haben. Dann sind sie kräftig genug, um pikiert zu werden. Setze die Schösslinge in geeignetem Abstand an ihren endgültigen Platz und beginne damit, sie zu gießen und zu düngen.
Manchmal kann das Warten auf die Keimung aber auch zur Geduldsprobe werden. Manche Kaltkeimer brauchen Wochen, wenn nicht gar Monate, bis sie endlich die ersten grünen Triebe zeigen. Besonders lang lässt sich übrigens die Zaubernuss Zeit, sie ziert sich ganze drei Jahre lang. 


Kann es auch der Kühlschrank sein?

Vielleicht wohnst du in einer Gegend, in der du dich nicht auf einen tiefen Winter verlassen kannst. Eventuell hast du auch den ersten Frost "verschlafen" und jetzt ist es zu spät für die Aussaat. Oder aber du willst besonders wertvolle Kaltkeimer aussäen, die erst nach einem Temperaturoptimum keimen wollen. In all diesen Fällen kannst du den Winter natürlich auch künstlich nachstellen.
Wichtig ist, die Aussaat bei Temperaturen um die 20 Grad vorzunehmen, um den Samen die Möglichkeit zum erfolgreichen Quellen zu geben. Danach folgt eine Lagerung im Kühlschrank bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Verwende keinesfalls das Gefrierfach, denn dort erfriert das Saatgut. Wenn du die Samen aus dem Kühlschrank nimmst, achte darauf, die Temperaturen nicht zu schnell ansteigen zu lassen. Es reichen schon zwölf Grad aus, um sie zum Keimen zu bringen.

Wie du siehst, ist die Aussaat von Kaltkeimern keine Kunst. Den Hauptteil der Arbeit erledigt ohnehin der Winter oder der Kühlschrank für dich.